Stanford für alle
Von Stefan Kesselhut
Der deutsche Professor Sebastian Thrun (Stanford University) bietet seine Vorlesung über Künstliche Intelligenz online an und hat plötzlich 160.000 Studenten statt 200, wie “Der Spiegel” berichtet:
“Das Niveau ist hoch, es ist ja der gleiche Kurs wie an der Uni”, sagt Thrun. Viele Studenten hätten aufgegeben, immerhin 28.000 seien noch dabei. Wer durchhält und die Tests besteht, erhält ein Zertifikat, ausgestellt von Thrun und seinem Mitstreiter persönlich, nicht etwa von der Universität Stanford. Die muss das Treiben der beiden misstrauisch beäugen, denn ihr Geschäftsmodell wird in Frage gestellt.
Dass solche Online-Initiativen eine Gefahr für die klassische Universität sein sollen, kann ich kaum nachvollziehen. Gerade für die regulären Studenten können gut aufbereitete Online-Inhalte nützlich sein. Universitäten wie Stanford werden dadurch noch bekannter und werden sich ganz bestimmt keine Sorgen um sinkende Bewerberzahlen machen müssen. Denn gute Lehre ohne physische Anwesenheit, nur mit Video-Vorlesungen, wird es auch in Zukunft nicht geben.
Doch wie sehen die Hochschulen aus, wenn die Welt zum globalen Campus wird? Die Konkurrenz würde wachsen, weil Studenten unabhängig von Zeit und Raum ihre Wahl treffen könnten. Die amerikanischen Elite-Unis müssten beweisen, dass sie in Forschung und Lehre tatsächlich exzellent sind und nicht nur davon profitieren, aus einer großen Anzahl guter Bewerber die besten auswählen zu können. Und die deutschen Hochschulen müssten in einem weltweiten Wettbewerb – Heidelberg gegen Harvard – bestehen, wenn jede Uni nur noch einen Mausklick entfernt ist.
Worauf es wohl vor allem ankommen wird: Wie man die traditionelle Lehre mit Hilfe des Internets verbessern, erweitern und öffnen kann. Bisher sind es meist einzelne Professoren, die sich in diesem Bereich mit innovativen Ideen vorwagen. Ausgefeilte Konzepte dafür gibt es aber kaum. Das liegt vermutlich teilweise auch daran, dass viele Professoren gar kein Interesse daran haben, ihre Lehrveranstaltungen einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Wer schon einmal als Student in einer drögen oder im schlimmsten Fall fachlich fragwürdigen Vorlesung saß, weiß, wovon ich spreche.
Aber das gilt natürlich nicht für alle. Die Mutigeren unter den Hochschullehrern brauchen mehr Unterstützung und Beratung von ihren Hochschulen.
